In den letzten Jahren hatten einzelne Züchter den Eindruck, dass seitens der Besitzer vermehrt Mitteilungen über Harnsteinerkrankungen unserer Hunde eintrafen. Harnblasensteine können – vor allem bei Rüden – zu grossen Problemen mit dem Harnabfluss führen. Hinter Harnblasensteinen steht im Grunde ein Nierenproblem. Aber Mel-dungen über Nierensteine habe ich keine – es sind bei unserer Rasse stets Harnblasensteine. In der Regel werden die Rüden auffällig, weil sie nur noch tropfenweise und die Hündinnen sehr häufig kleine Mengen Urin absetzen, Blut im Urin kann vorkommen.
Blasensteine können lebensgefährlich werden, wenn der Harnabfluss gar nicht mehr möglich ist und der Urin an-gestaut wird. Dabei können Dauerschäden an Nieren und Blase entstehen. In solchen Fällen ist tierärztliche Hilfe sofort nötig (Notfall!). Manchmal genügt im Notfall ein Katheter, so dass für den Moment die Blase entleert werden kann. Es braucht aber auch eine Operation zur Entfernung der Steine. Das Ganze kann sich wiederholen, weil ein betroffener Hund eventuell immer wieder neue Harnsteine bildet. Es ist also eine Erkrankung, die lebenslang an-dauern kann.
Es gibt verschiedene Arten von Harnsteinen und die Vorbeugung richtet sich danach, welche Sorte Steine gebildet werden. In der ganzen Hundepopulation sind etwa die Hälfte aller Harnsteine „Struvit-Steine“ und etwa ein Drittel „Calcium-Oxalat-Steine“. Die Forschung weist nach, dass Hunderassen mit einem Gewicht unter 15 kg mehr be-troffen sind als grosse Rassen, dass Rüden häufiger betroffen sind als Hündinnen.
Mit der Bildung von Struvit-Steinen sind in der Regel Infektionen in den Harnorganen verbunden – man spricht denn auch von „entzündlichen“ Harnblasensteinen. Die Forschung geht davon aus, dass die Stoffwechseltätigkeit von Bakterien zu einer Veränderung des Milieus in der Harnblase führt. Struvit ist ein Mineral, das entstehen kann, wenn der Harn zu wenig sauer (zu basisch) ist und auch reichlich Phosphor und Magnesium enthält. Struvit-Steine können recht gross werden, in einem unserer Hunde so gross wie ein Taubenei, so dass die Blase fast ganz aus-gefüllt ist. Neben der operativen Entfernung der Blasensteine und Behandlung mit Antibiotika braucht es auch Di-ätnahrung. Die Dauerbehandlung besteht in einer „Struvit-Diät“, die versucht, die Bildung neuer Steine zu verhin-dern. Das gelingt nicht immer.
Manche Autoren gehen davon aus, dass zu viel Eiweiss im Futter, eventuell die zusätzliche Gabe von Frischfleisch zu hochwertigem Trockenfutter mit mehr als 28% Rohprotein in der Trockenmasse und hoher Mineralstoffgehalt des Futters auch zur Steinbildung beitragen. Hündinnen sind mehr von Struvit-Steinen betroffen, Rüden eher von Calcium-Oxalat-Steinen. Warum das so ist, weiss ich nicht.
Das ist die unangenehmere Variante, denn Calcium-Oxalat-Steine bei unserer Rasse bekommt man mit Diäten nicht in den Griff. Man nimmt an, dass eine über-höhte Versorgung mit Calcium zur Steinbildung beiträgt – was erklären könnte, weshalb ausnahmsweise Zuchthündinnen diesen Typ Steine haben können. Oxa-lat-Steine werden nicht sehr gross, aber es können Dutzende davon in der Blase sein. Sie haben oft eine „zackige“ Form und reizen die Blasenwand, führen also auch zu Entzündungen. Calcium-Oxalat-Steine rechnet man zu den „metaboli-schen“, das heisst stoffwechsel-bedingten Steinen.
Ich vermute, dass dahinter eine geerbte Veranlagung stehen könnte, vielleicht auch eine Beziehung zur Farbe? Ich kenne keinen schwarz-weissen Rüden mit solchen Blasensteinen, es waren bei Hunden aus meiner Zucht in 40 Jahren 5 rotbraun-weisse Rüden, auch kein tricolor. Es könnte Zufall sein, weil ich viele rotbraune Papillons züch-tete, aber es gab Zeiten, da hatte ich mehr tricolor und da war kein Hund betroffen. Wie viel oder wenig sind diese 5 befallenen Hunde? Es sind 0.7% der Welpen, die ich gezüchtet habe, also sehr wenige. Das Alter, in welchem das Problem erstmals auftritt ist in meiner Zucht etwa bei 2-3 Jahren. Alle 5 Rüden hatten Calcium-Oxalat-Steine, bei allen gab es nach Entfernung der Steine innerhalb von ½ bis 1 ½ Jahren erneut Steinbildung. Ich glaube wegen der Gleichartigkeit der Fälle zwischen 1971 und 2005 bei 5 verschiedenen Besitzern daran, dass hier genetische Ursachen denkbar sind. Bei Hündinnen habe ich nur einen Fall: 6-jährige Zuchthündin mit Struvit-Stein.
Der Rasseklub möchte gern wissen, wie häufig Blasensteinerkrankungen in der Rasse sind, welche Erfahrungen die Besitzer gemacht haben. Wenn das Problem in der Rasse verbreiteter ist, als wir denken, müsste abgeklärt werden, ob ein Forschungsprojekt dazu mit der Vetsuisse Fakultät Zürich oder Bern aufgegleist werden könnte.
An die Papillon- und Phalène-Besitzer, die je einmal bei ihrem Hund (einem ihrer Hunde) die Diagnose „Harnbla-sensteine“ erfahren haben, geht die Bitte, das beiliegende Umfrageblatt auszufüllen und mir zurück zu schicken, zu faxen oder gescannt per Mail zuzustellen. Es geht nicht nur um Ihre jetzt bei Ihnen lebenden Hunde, sondern auch um solche, die gestorben sind. Das gibt uns die Möglichkeit abzuschätzen, ob das Problem in den letzten Jahren wirklich vermehrt aufgetreten ist. Manche Züchter haben diesen Eindruck, es könnte aber sein, dass die Anzahl Papillons und Phalènes grösser geworden ist. Ich werde später über die eingegangenen Mitteilungen berichten.
Harnblasensteine bei Papillons und Phalènes [PDF, ]